Gegenwind

Kalt ist es. Viel zu kalt für Mitte Mai in Nordfriesland, aber der Winter war ja auch schon extrem mit ca. 3 ½ Monaten Schnee. Ich muss raus. Dick vermummt schwinge ich mich auf`s Rad, fahre die 50m bis zur Kurve und biege in die Hattstedter Marsch. Der Wind knallt von der Seite. Ich habe meine Route gut geplant, so dass ich mich erst ein wenig warm strample, dann gegen den Wind und auf dem letzten Stück lasse ich mich dann vom Wind nach Hause schieben. Der Wind ist noch stärker als ich dachte. Ich stemme mich in leichter Schräglage gegen ihn.

Nach den ersten Minuten werden meine Muskeln allmählich warm und meine Sinne akzeptieren die Wucht des Windes. Nun nehme ich auch die Wärme der Sonnenstrahlen wahr, den Duft frisch-gepflügter Felder und im Vorbeifahren den flüchtigen Hauch eines duftenden Frühlingsstrauches. Schön. Kühe und Schafe grasen vor sich hin. Pferde galoppieren in der Ferne um die Wette.

Löwenzahn-Wiese in der Hattstedter Marsch
- Löwenzahn -

Jetzt muss ich direkt gegen den Wind anfahren, vorbei an alten Bauernhöfen mit Reetdächern und wunderschönen, alten Haustüren. Idylle pur. Der Himmel ist blau mit ein paar Wattewolken. Ein Flugzeug malt lange, weiße Streifen drauf. So saftig grün wie im Mai sind die Wiesen, Bäume und Sträucher sonst nicht. Ein schöner Kontrast zum knallblauen Himmel. Auf einmal sehe ich ein Feld über und über mit sonnengelbem Löwenzahn. Ich halte an, bin begeistert und ernte neugierige Blicke von den Kühen. Nur noch eine Kurve und ich habe den Deich im Rücken. Mit Kraft schiebt mich der Wind nach Hause. Ich entspanne…

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