+++ Meeresmärchen ++++++++++++++++++++

Dorothée Böhlke aus Hamburg

Nach dem grandiosen Erfolg zum “Plattdeutschen Buch des Jahres 2010” hat der Willegoos Verlag ein neues, 2-sprachiges Werk herausgebracht: MEERESMÄRCHEN – oder „Meermärken”, wie es auf Platt heißt. Ein Bilder- und Hörbuch mit sieben norddeutschen Märchen, in denen die Sylter Märchenerzählerin Linde Knoch von der Nordsee mit ihren wundersamen Wesen, aber auch von Fischern und Riesen erzählt. Deren Geschichten sind manchen bekannt, aber manche drohen auch in Vergessenheit zu geraten, darunter “Der Meermann Ekke Nekkepenn”, “Von Königin Nordsee und dem Friesenriesen” u.v.m. . In der plattdeutschen Variante den “Meermärken” übersetzte Frerk Möller die Texte, gesprochen werden sie von Marianne Ehlers. Untermalt wird die Hör-CD mit Harfenmusik, Möwengeschrei, Wind- und Wellenrauschen. Die sagenhaften Illustrationen kommen von Dorothée Böhlke.

Ahoi Dorothée, wie bist Du zum Illustrieren gekommen und welche Techniken bevorzugst Du?
Gezeichnet habe ich immer schon. Wenn man dann als Jugendliche auch noch in Paris landet, kein Wunder! Dort wird die Beschäftigung mit Kunst einfach ernst genommen. Aber so mit 15 habe ich bemerkt, dass es ernst ist, und ich auch tatsächlich ernsthaft Geschichten zum Leben brauche. Ich habe mir damals eine Geschichte für meine Eltern ausgedacht – die übrigens im mir damals noch völlig unbekannten Norddeutschland spielte – und die mit einem Gegenstand und ihnen selbst als Hauptfiguren der Geschichte verwoben war. Das Illustrieren in ein fertiges Blanko-Buch hinein war eine großartige Erfahrung. Es hat mehr als nur Spaß gemacht und dazu geführt, dass ich von da ab überlegte, Illustratorin zu werden.

Willegoos Verlag mit dem Buch Meeresmärchen
"© Illustration: Dorothée Böhlke | Willegoos Verlag"

Inzwischen arbeite ich am liebsten mit Bleistift, Feder, bzw. Fineliner und in Aquarell, und bearbeite manches auch am Computer. Ich nähere mich aber auch dem Acryl auf merkwürdigen Untergründen (Küchentücher mit französischen Rezepten darauf zum Beispiel) und liebe geradezu leidenschaftlich Wellpappe als Material.

Titelbild des Buches Meeresmärchen
"© Illustration: Dorothée Böhlke | Willegoos Verlag"

Wie entstand das „Meeresmärchen – Bilderbuch für die Ohren”? Was hat Dich an der Zusammenarbeit gereizt?
Eines Tages bekam ich eine Kontaktanfrage über eine Internetplattform, auf der ich vertreten bin und kurz darauf klingelte das Telefon. Eine nette Stimme fragte mich, ob ich Lust hätte, ein Meeresbuch für Kinder zu illustrieren. Das war die Stimme von Frau Tiarks, die die Verlegerin des Willegoos Verlages ist. Sehr schnell war klar, dass wir auf einer (gutgelaunten und inspirierenden) Welle schwimmen würden und von da ab gab es kein Zögern mehr. „Meeresmärchen”, wie das schon schön klingt! Linde Knoch, Märchenerzählerin par excellence, hat dann die entsprechenden Märchen, die alle aus dem norddeutschen Raum stammen, ausgewählt und sie ist auch die Sprecherin auf der dem Buch beiliegenden (hochdeutschen) Audio-CD. (Die plattdeutsche Version hat Marianne Ehlers gesprochen).

Das Titelbild des Buches ist voller Dynamik und Mystik: Du gibst der Klippe / dem Land das Gesicht und den Arm eines Mannes. Die Schaumkronen der Wellen sind galoppierende Pferdeköpfe auf denen ein alte Kogge segelt. Wie kam es zu dieser Bildkomposition?

Die Geschichte ist so stark und in ihrer Symbolkraft sprachlich so lebendig, dass ich sofort die Vorstellung vor Augen hatte, den Riesen Eemt Fräs als Teil des Landes darzustellen. Von einer Sturmflut in Form der wilden Wellenpferde und der regenschweren Wolkenschiffe heimgesucht, windzerzaust und den Bart durcheinander gewirbelt. Und „Wellenpferdchen”, wie sie in der Geschichte genannt werden – die müssen doch einfach galoppieren, oder? Ebenso die „Wolkenschiffe” – nicht einfach Koggen – die vom wilden Nordwind getrieben werden, die machen einfach einen imposanten Eindruck. Das ist Stoff für innere Bilder! Kurzum: ich wollte die tollen Allegorien lebendig werden lassen und diese haben mich dann glatt als Medium benutzt, um auf und ins Buch zu kommen. Konnte ich nichts gegen machen!

Märchen von der Nordsee
"© Illustration: Dorothée Böhlke | Willegoos Verlag"

Welches ist Dein Lieblingsbild in dem Buch und warum?
Ich glaube, wenn ich mich unbedingt auf ein Bild festlegen soll – das ist schwierig, denn ich habe sie ja alle so gern – dann ist es das Bild der Mutter am Strand im Märchen „Der Mantel der Meerjungfrau”. Da ist ein Schicksal dargestellt, das Bände spricht über das Leben der Menschen, besonders der Frauen und Mütter, die an der Küste leben. Es kam ja oft vor, dass jemand nicht von See zurückgekehrt ist, ob Fischer oder Kapitän, und die Familie dann zusehen musste, wie sie ohne Vater, Bruder, Sohn oder Ehemann zurechtkam. Im Märchen vom Mantel der Meerjungfrau sind viele reale Elemente eingewoben, Schmerz und Glück … Das hat mich sehr gerührt. Besonders schön finde ich dann das Ende der Geschichte. Das verrate ich aber nicht!

Wie ist Dein persönlicher Bezug zur Nordsee, den Wellen und dem Meer? Du bist bekennendes Nicht-Nordlicht – warum?
Mein Verhältnis zur Nordsee, wenn man davon absieht, dass ich natürlich überaus gern am Strand herumlaufe und die Geräusche von Wind, Wellen und Vogelstimmen aufsauge, ist vorwiegend literarischer Natur. Ich habe einen ziemlichen Respekt vor den Elementen, finde das Meer in allen Varianten toll und möchte niemals mit einem Schiff in einen Sturm geraten. Ich bewundere gute Seeleute ungeheuer, ganz besonders die unerschrockenen Retter von der DGzRS – und lese Geschichten und Berichte über Seefahrt über die Maßen gern. Und zwar wirklich alles, von Sindbad und Odysseus bis Carsten Jensen, der „Wir Ertrunkenen” geschrieben hat.

Bekennendes Nicht-Nordlicht bin ich, weil man es ja doch sofort merken würde, dass ich eine Quiddje bin: selbst bin ich im südlichen Hessen geboren, meine Mutter stammt aus der Nähe von Kassel und mein Vater ist Berliner …

Märchen-Illustration
"© Illustration: Dorothée Böhlke | Willegoos Verlag"

Hast Du einen persönlichen Geheimtipp für Nordfriesland?
Derzeit sind das vor allem die Bücher aus dem Willegoos Verlag. Und ansonsten würde ich Sonnencreme empfehlen.

Was erwartet uns in der Zukunft von Dir?
Ha, mal sehen! Es sind gleich drei Bilderbuchideen in der Pipeline. Es gibt da ein stinknormales, ziemlich blitzgescheites Mädchen namens Paula, ein neues sehr poetisches Meeresmärchen, das aus dem Orient stammt, und ein weiteres Märchen von einem turkmenischen Jungen, der eine Schwalbe rettet, dafür reich belohnt wird und in Konflikt mit einem fiesen Padischah gerät.

Bis dafür Verlage gefunden sind, denn es kann ja leider nicht alles bei Willegoos erscheinen(!) – sind wir auf der Suche nach einem schönen Ausstellungsort für die Originale der Meeresmärchen. Vielleicht gibt es dann auch Lesungen dort, das wäre ideal! Außerdem werde ich wohl weiter Werbung gestalten, Broschüren, Zeitschriften, Buchcover etc. und ab und zu Fimo-Figuren (siehe Steckbrief-Bild oben) zum Spielen und für Dekozwecke. Lauter solche Sachen.

Dorothée, herzlichen Dank für Deine tollen Bilder und das Interview mit Dir. Viel Erfolg mit “Meeresmärchen”!

Kontakt zur Illustratorin Dorothée Böhlke
Kontakt zum Verlag Willegoos Verlag mit Hörprobe für “Meeresmärchen”

Hör- und Bilderbuch bestellen auf Hochdeutsch oder Platt:

 

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